Es gibt keinen Ehrenmord – Mord ist Mord
Es ist jedesmal das Gleiche, wenn eine junge Frau von der Familie getötet wird: Ehrenmord, Täter nicht bei Sinnen, psychologische Untersuchung – unzurechnungsfähig. Wenn ich dann noch lese dass ein Ehrenmord, vielleicht gar nicht mehr als Mord sondern als Totschlag verhandelt wird, dann fehlen mir die Worte!
Es gibt KEINEN Ehrentotschlag! Es ist ein Ehrenmord – und Mord beinhaltet KEINE Ehre!
Mein Vater ist ebenfalls Türke, es gab zwischen uns ebenfalls Spannungen was die Lebensauffassung betraf. Aber… wir gingen beide einen Schritt aufeinander zu. Er lernte mit der freieren Lebenseinstellung umzugehen und ich rebellierte etwas weniger. Mit der Zeit wurde aus dem angespannten Vater-Tochter-Verhältnis eine Freundschaft.
Wenn Familien sich dazu entscheiden nach Deutschland auszuwandern, dann MÜSSEN sie sich auch dazu bereit erklären sich einzugliedern. Was bringt ein Auswandern für ein besseres Leben, wenn sie alles an Ballast mitnehmen und diesen Schritt nur aus materiellen Gründen gehen?
Ein Mädchen ist doch nicht gleich eine Hure wenn es sich mit Freunden trifft.
Ein Mädchen ist nicht unsauber weil es kein Kopftuch trägt.
Ein Mädchen ist kein Flittchen nur weil man seine unbedeckten Haare, Unterarme und Waden sieht.
Meine (deutsche) Großmutter war eine sehr gläubige Frau. Bevor sie eine Scheibe Brot vom Laib schnitt, ritzte sie, ein kleines Tischgebet murmelnd, mit dem Messer über die Unterseite des Laibs – jeden Tag – bei jeder Mahlzeit. Sie trug kein Kopftuch, sie bedeckte weder Arme noch Beine. Sie gebar 6 Kinder und leistete sie nie irgendwelche “Skandale”.
Meine Mutter trägt ebenfalls kein Kopftuch, schminkt sich jeden Tag, zeigt Arm und Bein, trinkt auch mal ein Glas Champagner, tanzt auf Festen….
Was also ist es was Frauen zur Hure macht? Weil sie leben wollen? Weil sie genau wie ein Mann ein Recht darauf haben zu lachen, zu tanzen, zu feiern?
Nur weil viele Männer triebgesteuert sind, heisst das doch noch lange nicht, dass Frauen es ebenfalls sind, sobald man eine Locke sieht.
Es ist doch verständlich dass es zu enormen Spannungen kommt. Wenn die Familie einem die Luft zum atmen nimmt und in einen Käfig sperrt. Man zerrt an den Stäben, man kann es nicht verstehen dass die Welt “da draussen” so viel freier ist, während man “hier drinnen” verkümmert.
Die Stichworte sind: Vertrauen und Toleranz.
Vertrauen – dass die Tochter/Schwester keine Sünderin ist und sich jedem dahergelaufenen Mann anbietet.
Toleranz – dass es auch “fromme” Menschen ausserhalb des eigenen (teilweise sehr veraltetem) Glaubens gibt.
Juni 27th, 2009 at 12:56
was ich mich immer wieder frage ist: wie wenig selbstvertrauen haben väter, die so etwas von ihren töchtern denken, in ihre eigene erziehung? sie sollten doch am besten wissen, welche werte sie ihnen vermittelt haben und ob sie von der tochter gelebt werden.
ich finde aber genau das gleiche problem in der überbordenden eifersucht vieler junger türken und araber, die ihren freundinnen gern genau das verbieten, wofür sie sie einst “geil” fanden: kurze röcke, offenes verhalten und ausgehen. wer so wenig vertrauen in jemand anderen setzt, hat auch kein vertrauen in sich selbst. hinzu kommt eine anerzogene angst vor der frau, die sich in allen buchreligionen wiederfindet. denn auch den christen und juden wird gesagt, dass die frau dem manne untertan sei. eine schlüssige erklärung außer der, dass die bücher von männern geschrieben wurden, gibt es dafür in keinem der bücher.